Reflexion der Kundgebung Arbeitskonflikt Hotelreinigung

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Die Kundgebung am 29.11.2014 vor dem „Hotel Leonardo“ hat mit ca. 10 Menschen stattgefunden. Zwischen 12 und 14h wurden 400 deutsch und Englischsprachige Flyer verteilt.
ArbeiterInnen im dem Hotel wurden über die Situation informiert, ein paar Parolen wurden gerufen und es gab einen Redebeitrag(ist unten zu lesen).

Die Reaktionen der Passanten waren sehr positiv, auch wenn zu dieser Zeit nicht viele Menschen unterwegs waren. Flyer wurden auch an AutofahrerInnen, die an der Ampel standen, verteilt.

Von ZHS Zingsheim ist niemand rausgekommen. Dafür waren die Hotelchefs informiert und mit Flyern versorgt. Zudem waren alle 3 Führungspersonen im Hotel anwesend. Die Direktorin hat mehrfach die Kundgebung fotografiert, hat Gespräche mitangehört und angeblich währrend der Kundgebung mit Zingsheim telefoniert.

Das „Hotel Leonardo“ war zu diesem Zeitpunkt komplett ausgebucht.

Mitte Dezember ist der Termin beim Arbeitsgericht.
Solange heißt es, weiter Planen, kämpfen und Solidarität mit allen Lohn geprellten Menschen.

Redebeitrag:

Wir demonstrieren hier gegen den Lohnbetrug an einer Person in der Reinigungsbranche, der mithilfe gezielter Dokumentenfälschung nur die Hälfte des ihr zustehenden Lohnes ausgezahlt wurde. Konkret handelt es sich bei dem Unternehmen um die Reinigungsfirma Zingsheim, die hier im Hotel Leonardo als Subunternehmen tätig ist und deren Lohnbetrügereien an ihren Arbeitnehmer_innen vom Hotel offenbar geduldet und toleriert werden.
Obwohl für die Reinigungsbranche ein tariflich vereinbarter Mindestlohn von über 9 Euro gilt, wurde der betroffenen Person nur etwa die Hälfte ihres Lohnes ausgezahlt. Gerechtfertigt wurde das mit gefälschten Stundenzetteln, die eine wesentlich geringere Stundenanzahl festhielten als tatsächlich abgeleistet wurde. Die betroffene Person wurde dabei genötigt, die Stundenzettel nur mit Datum und ihrer Unterschrift zu versehen, während die angebliche Stundenzahl später fälschlich und verkürzt von ihren Vorgesetzten eingetragen wurde. Dabei wurden die betroffene Person und ihre Kolleg_innen natürlich in keinster Weise über ihre Rechte aufgeklärt. Nachfragen, warum sie die geleistete Stundenanzahl nicht selbst ausfüllen dürfe, wurden abgewimmelt und die Arbeitenden unter Druck gesetzt, trotzdem zu unterschreiben.
Wir protestieren gegen die Art, wie die Firma Zingsheim ihre Arbeitnehmer_innen behandelt, dass sie sie unter Druck setzt und systematisch um ihren Lohn bringt. Vom Hotel Leonardo verlangen wir, selbst Verantwortung zu zeigen für die Situation von Arbeiter_innen aus Subunternehmen, die für das Hotel saubermachen. Skrupellose Praktiken wie die von Zingsheim sind auch deshalb möglich und so erfolgreich, weil Unternehmen immer billigere Arbeitskräfte haben wollen und dafür bei den Arbeitsbedingungen in den angeheuerten Subunternehmen auch gerne mal ein Auge zudrücken. Wir verlangen vom Hotel Leonardo: Einmischung in die Lohntricksereien von Subunternehmen und solange sich nichts ändert keine weiter Zusammenarbeit mehr mit betrügerischen Firmen wie Zingsheim!
Aber auch über diesen Fall hinaus möchten wir auf das Problem aufmerksam machen, wie Arbeitnehmer_innen trotz offiziellen Mindestlohns um ihren Lohn geprellt werden. Zwar gibt es für einige Branchen tarifliche Mindestlöhne und demnächst ja auch den von der Politik so hochgelobten flächendeckende Mindestlohn. Doch diese Mindestlöhne auf dem Papier helfen niemandem, wenn Firmen sie in der Realität so relativ einfach umgehen können. Es ist absehbar, dass der Lohnbetrug durch Stundenzahlfälschung zunehmen wird, denn hier finden Arbeitgeber einen Punkt, an dem sie ansetzen können um den Mindestlohn zu umgehen und Angestellte um ihren Lohn zu betrügen. Es werden einfach weniger Stunden ausgezahlt, als tatsächlich gearbeitet wurden und das alles geschieht mittels systematischer Dokumentenfälschung und auf Arbeitende ausgeübtem internen Druck: Entweder durch Zeitdruck, indem den Leuten keine Möglichkeit gegeben wird, zu lesen was sie da eigentlich unterschreiben. Oder durch Druck von Vorgesetzten und auch anderen arbeitgeberhörigen Mitarbeiter_innen.
Daneben spielt auch das gesellschaftliche  Klima eine Rolle. Denn wenn die Allgemeinheit noch immer glaubt, man müsse dankbar sein für jeden Job und solle bloß nicht aufmucken, um ihn nicht zu verlieren, wird von bürgerlicher Seite jeder Widerstand gegen Vorgesetzte und betriebliche Autoritäten sofort als Ausdruck eigenen Versagens und angeblicher Unfähigkeit abgewertet. Verweigerung ist und bleibt jedoch ein legitimes Mittel, um (unter anderem) arbeitsrechtliche Forderungen durchzusetzen. Wir müssen uns von dem Denken befreien, dass man sich gegen ausbeuterische Arbeitgeber_innen nicht mit allen Mitteln zur Wehr setzen kann und darf. Solidarisches Handeln bedeutet, für sich selbst und andere aktiv zu werden und die Rolle des kleinen Rädchens in einer fremdgesteuerten Maschine abzuschütteln.
In diesem Fall hier traf es eine Person, die nicht-deutsch ist und mit der Sprache nicht so vertraut ist. Doch mit Solidarität ist explizit auch jene gemeint, die sich dem Konstrukt von Nationalitäten verweigert und die Unterteilung von Menschen nach ihrer Herkunft ablehnt, obwohl diese diskriminierende Einteilung von Staat und nicht wenigen großen Gewerkschaften weiter fleißig betrieben wird. Denn ganz egal welche Nationalität jemandem auf dem Papier zugewiesen wurde oder welche Sprache er oder sie spricht, das Ziel von Arbeitgeber_innen ist gleich gegenüber allen: Nämlich, Profite auf Kosten derjenigen zu erwirtschaften, die sich nicht dagegen wehren. Die Umgehung von Mindestlöhnen durch Fälschung von Stundenzetteln ist dabei nur eine weitere Möglichkeit der Profitmaximierung für die Wirtschaft.
Auf Dauer kann das einzige langfristige Mittel dagegen nur der entschlossene, solidarische Kampf gegen die herrschenden Verhältnisse sein. Das Ziel ist die Schaffung einer egalitären Gesellschaft, die frei ist von Ausbeutung und generell dem Zwang zu Lohnarbeit; bis dahin jedoch muss jede_r einzelne im Alltag und im Betrieb ansetzen, um gegen Lohndrückerei und Lohnbetrug zu kämpfen. Solidarisiert euch mit anderen, vor allem auch mit prekär Beschäftigten. Denn nur solange die Masse schweigt, ist der_die einzelne im gegenwärtigen System machtlos.